Pflanzaktion am 1. Mai 2014 am Wagon
Gedenkstättenwagen ist angekommen

Die Eisenbahnfreunde Vaterstetten konnten am Freitag, dem 28. Juni 2013 die Ankunft eines Güterwagens feiern, der als Gedenkstätte für die holländischen Arbeiter vorgesehen ist, die in den Jahren 1944/45 eine Bahnstrecke von Zorneding nach Feldkirchen bauen mussten.

Am Nachmittag „schwebte“ der Güterwagen im Sinne des Wortes auf seinen Standplatz nahe des Reitsbergerhofs ein, von den Zuschauern mit Interesse beobachtet. Unter ihnen der stellvertretende Landrat Gerd Gietl aus Ebersberg, der im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Ernst Stegmeier betonte, dass ein solches, auf Privatinitiative basierendes, aufwändiges Vorhaben seine Hochachtung verdient. Zugleich übermittelte er die Grüße des leider verhinderten Landrats Robert Niedergesäß, der in seiner Amtszeit als Vaterstettener Bürgermeister das Vorhaben aktiv gefördert hat.

Nun muss der Verein Eisenbahnfreunde den Wagen für den vorgesehenen Zweck herrichten und auch das Umfeld gestalten. Dazu sind Spenden und aktive Mithilfe willkommen. Und auch die Historiker machen sich an die Arbeit, eine Dokumentation und eine Ausstellung, die in dem Wagen gezeigt werden sollen, auszuarbeiten.

Gedenkstätte Umgehungsbahn Baldham

In den Jahren 1944 und 1945 wurde zur Umfahrung des bombengefährdeten Ostbahnhofs München mit holländischen Zwangsarbeitern, die unter menschenunwürdigen Verhältnissen hungernd in Eisenbahnwaggons kampierten, eine Eisenbahnstrecke von Zorneding nach Feldkirchen und weiter Richtung Daglfing gebaut.

Die Strecke wurde fertig, ist aber niemehr in Betrieb gegangen. Zum Andenken an diese Menschen haben die Herren Dr. Ortner und Reitsberger von der kulturhistorischen Sammlung Vaterstetten auf der alten Trasse, die innerhalb unserer Gemeinde unter Anderem nahe des Reitsberger Hofs verlief, zwischen Straße und Radweg ca. zwei Meter Gleis verlegt und eine Informationstafel aufgestellt.

Diese unscheinbare Gedenkstätte wird von den Passanten der Straße Vaterstetten-Baldham Dorf kaum wahrgenommen. Ihr Sinn bleibt vielen verborgen. Deshalb wurde diskutiert, wie man mehr Aufmerksamkeit auf diese Gedenkstätte lenken könnte.

Das Ergebnis ist, dass man einen ähnlichen Güterwagen wie die, in denen die Zwangsarbeiter hausten, als Blickfang aufstellt und in ihm eine ausführliche Dokumentation der interessierten Öffentlichkeit zugänglich macht. Die Eisenbahnfreunde Vaterstetten e.V. planen zudem, von ihrer Jugendgruppe eine Modellbahn, die diese Strecke und deren Umgebung abbildet, einbauen zu lassen.

Solche Güterwagen sind in Deutschland selten geworden, da der Verkehr weitgehend auf Containertragwagen umgestellt wurde und in den USA ein großes Interesse besteht, solche Wagen als Holocaust-Gedenkstätten aufzustellen.

Uns ist nun ein solcher 12,7 m langer Wagen (Länge über Puffer 14 m) angeboten worden.

Der Aufstellort muss zugänglich und im Verlauf der alten Strecke liegen, die die Baldhamer Straße unter einem Winkel von ca. 30° kreuzt. Er liegt nördlich des Radweges auf dem Grund des Herrn Reitsberger, der diesen zur Verfügung stellen will. Zwischen Radweg und Stirnseite des Wagens werden aus Sicherheitsgründen zwei Meter Abstand eingeplant. Als Zuweg ist ein ca. einen Meter breiter befestigter Weg von ca. 10 Meter Länge geplant.

Aufgestellt wird der Wagen auf einem Gleis im Anschluss an das vorhandene. Es kreuzt den Radweg und verläuft dann ca. 17 Meter weit in das Gelände. Der Aufstellort liegt, wie erwähnt, unweit der Reitsberger Hofes. Der Wagen wird nicht ortsfest verankert. Lediglich Sicherungen gegen Verschieben durch Winddruck oder durch Vandalen werden vorgesehen.

Betreut werden soll die Gedächtnisstätte durch Mitglieder des Historienvereins und die Eisenbahnfreunde Vaterstetten e.V.

Es kann auch daran gedacht werden, verwandte Themen in dieser Gedächtnisstätte darzustellen (z.B. Flugzeugabstürze unweit dieser Stätte, abgestellter Führer-Zug auf dieser Trasse), Ereignisse, die in Vaterstetten weitgehend unbekannt sind.
Ein besonderer Dank gilt auch Herrn Georg Reitsberger, der den Platz, der auf dem ursprünglichen Streckenverlauf liegt, zur Verfügung gestellt hat.

Klaus Hugo